„Von Mondreisen, Teufelsküchen und flammenden Seelen, oder: Wie singen englische (Liebes-) Wahnsinnige im 17. und 18. Jahrhundert?“
Vortrag von Maria Genina
Was macht einen zum Wahnsinnigen? Und woran erkennt man einen solchen „Wahnsinnigen“? Auf diese Fragen würden uns Menschen verschiedener Epochen und Länder ganz unterschiedliche Antworten geben – in diesem Vortrag soll es um eine musikalische Antwort aus dem fernen barocken England gehen, die sich zu einem eigenen Genre geformt hat: Um die sog. „Mad Songs“, in Form von musikalischen Theatereinlagen und Balladen, mit ihren beliebten Figuren wie den umherstreifenden Poor Toms und Mad Besses.
Wir werden einerseits in Konzepte von „Wahnsinnigen“, speziell dem populärsten Typ der „Liebeswahnsinnigen“, in Medizin, Malerei und Literatur eintauchen: Diese Konzepte sind eng mit Vorstellungen von Magie, Geschlechtern und Klassenzugehörigkeit verwoben und wirken heute bizarr und fantasievoll, teilweise amüsant, sogar absurd, regen aber auch durch Parallelen zu unserer Zeit zum Nachdenken an. Andererseits möchte ich aufzeigen, wie die berühmtesten Komponisten der englischen „Wahnsinns-Mode“, darunter Henry Purcell, John Eccles und John Blow sowie anonyme Volkskünstler den Wahn zum Klingen gebracht haben und dabei inhaltlich, sprachlich und musikalisch präzise Abbilder zahlreicher Phänomene erschufen, die erst viel später in die moderne Medizin und Psychiatrie eingingen.